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Christina Wolff
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Netguide

PEPP-PT - eine App für ein „normaleres“ Leben mit Corona?

  • App für die schnellere Erstellung von Infektionsketten und Info von Betroffenen.
  • Europäische Kooperation, soll auch mit dem deutschen Datenschutz konform gehen, speichert keine persönlichen Daten.
  • Die Idee basiert auf ähnlichen Apps aus dem asiatischen Raum.

Das Corona-Virus verbreitet sich rasend schnell, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, wie wir sie aktuell alle täglich leben. Das besondere Problem des Virus: Rund die Hälfte der Ansteckungen passiert schon, bevor der Infizierte überhaupt erst erste Symptome zeigt. Mit der App PEPP-PT sollen Infektionsketten schneller dargestellt und Betroffene schneller informiert werden. Eine solche App kann als Ergänzung bzw. vielleicht auch als Alternative zu den bestehenden Maßnahmen wirken. In einem Gastbeitrag auf der Nachrichtenwebsite netzpolitik.org heißt es: „Mathematische Modelle der Epidemie zeigen, dass eine schnelle Kontaktverfolgung, kombiniert mit einem großangelegten Virus-Test-Programm, die Epidemie nicht nur verzögern, sondern vollständig eindämmen könnte.“

Ein europäisches Gemeinschaftswerk

Der Name der App ist ein Ungeheuer. PEPP-PT steht für Pan European Privacy Protecting Proximity Tracing. Über 130 Wissenschaftler und Forscher aus u.a. Frankreich, Italien, Österreich, Spanien und Deutschland sind an der App-Entwicklung beteiligt. Für Deutschland sind das Frauenhofer Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik und das Robert-Koch-Institut involviert. Als Idee-Vorlage diente die Trace Together-App aus Singapur, die aber die Telefonnummern der Nutzer speichert. Nutzer konnten so identifiziert werden. Das ist bei PEPP-PT nicht der Fall - sie soll den strengen Bestimmungen der DSGVO entsprechen.

Wie funktioniert die App?

Die App checkt per Bluetooth, wenn wir „länger“ mit einer Person zusammen waren und dabei nicht den Mindestabstand eingehalten haben. In diesem Fall speichert die App die temporären IDs der beiden Smartphones zum einen von unserer Kontaktperson und zum anderen von uns. Die IDs werden automatisch erzeugt und dienen lediglich der Identifikation der Smartphones. Wird nun eine dieser beiden Personen positiv getestet, werden die IDs der Smartphones an einen Server geschickt. Wir bekommen anschließend auf unser Smartphone (gespeichert über die ID) eine Pushmeldung, dass wir mit einem infizierten Menschen näheren Kontakt hatten. Gleichzeitig erhalten wir die Empfehlung, uns in häusliche Quarantäne zu begeben und gleichzeitig beim Gesundheitsamt einen schnellen Test zu organisieren.

Was speichert die App?

Im Gegensatz zu vielen Vorbildern besonders aus dem asiatischen Raum speichert PEPP-PT keine persönlichen Daten. Weder die Standortdaten noch Nutzerdaten oder andere Angaben sind irgendwo hinterlegt. Sie arbeitet lediglich mit den temporären IDs der Smartphones, um im Infektionsfall die Pushmeldung zu versenden. Bundeskanzlerin Angela Merkel würde eine solche App nutzen, heißt es in einem Bericht des Spiegel, in dem u.a. auch der Digitalverband Bitkom sowie der Chaos Computer Club Zustimmung zeigten, solange die Daten „dezentral, sparsam und anonym“ gespeichert würden. Ältere, nicht mehr relevante Daten sollen übrigens automatisch gelöscht werden.

Wie viele Nutzer braucht die App?

Damit PEPP-PT entscheidend wirksam sein kann, braucht die App möglichst viele Nutzer. Die Forscher kalkulieren für ihre Berechnungen mit einer App-Nutzer-Basis von fast zwei Dritteln der Bevölkerung, das entsprächen hierzulande rund 50 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Rund 50 Millionen Deutsche haben WhatsApp auf ihrem Smartphone installiert. Eine repräsentative Umfrage zur Bereitschaft für eine solche App ergab in der letzten Märzwoche, dass dreiviertel der Befragten auf jeden Fall bzw. wahrscheinlich eine solche Corona-Infektions-Warn-App herunterladen und auch nutzen würden. Die Nutzung der App ist freiwillig, sie wird kostenlos sein.

Wann ist PEPP-PT einsatzbereit?

Die Arbeiten an der Plattform für die App sollen in dieser Woche beendet sein, die App ab nächste Woche zur Verfügung stehen. Allerdings ist der Einsatz auch eine politische Entscheidung. Kanzleramtsminister Helge Braun soll das Projekt für „sehr vielversprechend“ halten, eine Entscheidung könnte nach Ostern bis Ende April fallen.   

„Mich, muss ich wirklich sagen, fasziniert schon der Gedanke, dass man über eine solche App, gerade wenn viele mitmachen würden, doch so ein Instrument hätte, eine ganz andere Feingliedrigkeit in der Steuerung zu erreichen und eben sagen könnte, das normale Leben kann weitergehen, es gibt keinen allgemeinen Lockdown.“

Christian Drosten, Leiter der Virologie an der Berliner Charité im „Coronavirus Update“-Podcast, Minute 18.06ff.


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