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Lootboxen
Nicht nur teuer sondern auch gefährlich?

Pay2Win und Lootboxen

„Geld schießt keine Tore“ hat Otto Rehhagel – damals Trainer von Bayern München – 1995 gesagt, und damit eines der meist zitierten und widersprochenen Fußball-Zitate geliefert. Mats Hummels zum Beispiel korrigierte die vermeintliche Trainer-Weisheit dann auch 2017 und erklärte: „Geld schießt keine Tore, aber Geld kauft Spieler, die viele Tore schießen.“ Genau das lässt sich auch auf Handy- und PC-Spiele übertragen und führt damit zu einem aktuellen immer wichtiger werdenden Problem.

Denn Geld gewinnt zwar auch online keine Spiele, aber mit Geld lassen sich digitale Gegenstände kaufen, die es ermöglichen, Spiele positiv zu beeinflussen und Spielaufgaben schneller zu lösen.

„Pixelmüll“ hat die Süddeutsche Zeitung unlängst  diese Ingame-Käufe genannt, die allgemein als Pay2Win-Prinzip bekannt sind und ein Millionen-Geschäft darstellen: So soll FIFA19-Publisher EA allein mit seinen FUT-Karten – das sind Spielerkarten, die nach dem Pay2Win-Prinzip eine bessere Siegchance ermöglichen – letztes Jahr 800 Millionen Dollar eingenommen haben. Doch was genau ist Pay2Win und warum steht die „Glücksvariante“ dieses Spielprinzips - die Lootbox - im Zentrum aktuell aufkeimender Kritik.

Das Geld schießt doch Tore-Prinzip

Videospiele sind zeitaufwendig und das ist zugleich Fluch und Segen. Einerseits freuen wir uns, wenn es knifflig und anstrengend ist, das nächste Spiellevel o.ä. zu erreichen. Andererseits ist es nervend und mühsam, alle Spiel-Schritte einzeln nacheinander zu bewältigen und zum Teil auch zu merken, dass wir aus eigener Kraft gegen manchen Gegner keine Chance haben. Für solche Momente bieten viele Videospiele die Option, echtes Geld zu investieren, um den eigenen Fortschritt merklich zu beschleunigen, und/oder um uns einen Vorteil gegenüber unseren virtuellen Gegnern zu erkaufen. Pay2Win heißt dieses Prinzip. Früher war es besonders bei kostenlosen Spielen eine beliebte Form, das Spiel zu refinanzieren. Mittlerweile finden sich Pay2Win-Optionen auch in kostenpflichtigen Spielen, unter anderem bei FIFA 19 oder NBA 2 K.

Die Glückskisten-Variante

Lootbox („Beutebox“) heißt die höchst umstrittene und problematische „Lotto-Variante“ des Play2Win-Prinzips. Dabei kaufen wir als Spieler eine virtuelle Kiste, in der wir für das Spiel wichtige Gegenstände finden können und dieses „Können“ ist genau das Problem: Wenn wir Glück haben, sind die gewünschten Gegenstände direkt in der ersten Lootbox, in der Regel müssen wir aber eher mehrfach investieren. Bei FIFA 19 können über solche Lootboxen zum Beispiel Spieler gekauft werden, um die eigene Mannschaft zu stärken. Doch statt Messi und Co. sind in den meisten Lootboxen eher „nur“ Spieler der Bundesliga zu finden. Lootboxen besitzen deswegen bei den Gamern keinen guten Ruf, zudem stehen sie unter Verdacht, süchtig zu machen. Wie hoch das Interesse aber an diesen Paketen ist, zeigt der YouTuber Tisi Schubech: Er hat über 400 Videos veröffentlicht, in denen er FIFA 19-FutPackages öffnet und diese Clips werden hundertausend-fach aufgerufen.

Lootbox als Glücksspiel?

„Wenn Computerspiel zum Glücksspiel wird, müssen wir handeln. Prävention setzt hierbei vor allem bei Information und Aufklärung an,“ fordert Andreas Storm, Chef der DAK. Die Krankenkasse hatte im Rahmen einer Studie - „Geld für Games“ - festgestellt, dass hierzulande rund 465.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren Risiko-Gamer seien. Sie fehlen laut der Studie häufiger in der Schule, haben öfters emotionale Schwierigkeiten und geben überdurchschnittlich viel Geld für Spiele aus – unter anderem auch für die Lootboxen. Fachleute und die Politik diskutieren nun, ob nun die Lootbox-Option selbst oder aber auch die Spiele, die Lootbox-Möglichkeiten enthalten, als Glücksspiel eingeordnet werden sollten.

Damit wären sie illegal und müssten verboten werden. Belgien hat diese Entscheidung schon getroffen – die Glücksspielkommission des Landes bewertet Lootboxen als Glücksspiel und will sie auch verbieten. Ähnliche Entwicklungen zeichnen sich auch in den USA ab: Der Senator Josh Hawley hat erst letzte Woche einen Gesetzentwurf präsentiert, der Lootboxen und Pay2win-Optionen in Computerspielen für Minderjährige verbieten soll. Und hier bei uns? Da hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey im Februar in einem Facebook-Post ein modernes Medienschutzgesetz angekündigt. Dabei sollen „sichere Online-Games auch eine Rolle spielen.“ Bis dieses Gesetz jedoch verabschiedet ist, finden betroffene Eltern erste Infos zu Lootboxen (und den Umgang mit ihnen) auf der Seite Spieleratgeber NRW.

 


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