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Achtung Abzocke!

Wenn die Liebe nur gefälscht war – Fake-Profile auf Dating-Plattformen

Frau tippt auf Smartphone

20. Juni 2022

  • Computergesteuerte Profile versuchen Nutzer von Plattformen wie Facebook oder Instagram auf teure Dating-Plattformen zu locken
  • Die Betreiber der Dating-Plattformen nutzen oft professionelle Chatschreiber, um uns denken zu lassen, dass wir es mit echten Menschen zu tun haben
  • Die Scham der Opfer sorgt dafür, dass der finanzielle Schaden kaum zur Anzeige gebracht wird

Plötzlich bekommen wir auf Instagram die Freundschaftsanfrage einer uns unbekannten Person. Die Person ist eine Frau, sehr leicht bekleidet, und scheint sich direkt in uns verliebt zu haben. Nach einigem „Hin-und-Her“ fordert sie uns auf, das Gespräch auf einer anderen Website fortzuführen. Bei dieser handelt es sich um ein Dating-Portal, bei dem wir uns registrieren müssen. Kurz danach werden wir noch von weiteren Menschen angeschrieben, die uns auch alle unfassbar attraktiv und interessant finden. Zu schön um wahr zu sein? Stimmt! Das ist es auch, denn wir sind auf eine besonders gemeine Art der Abzocke reingefallen: Fake-Profile auf Datingseiten.

Wie Bots uns in die Irre führen

Wir können uns an dieser Stelle denken, dass die Person, die uns auf Instagram angeschrieben hat, keine echte Person ist. Tatsächlich handelt es sich bei ihr in der Regel um einen Bot, also ein Profil, dass von einem Computerprogramm gesteuert wird. es kommentiert, markiert und/oder verschickt Freundschaftsanfragen und versucht so auf allen Wegen uns als Nutzer zu erreichen und uns auf die Links zu den erwähnten Dating-Plattformen zu führen. Bei diesen handelt es sich meistens nicht um Dating-Seiten mit großer Bekanntheit, wie Tinder oder Parship. Stattdessen sind es kleine, unbekannte Websites, die im Zweifel keinen Ruf zu verlieren haben und auf das schnelle Geld aus sind. Die Bots werden dabei nicht direkt von den Betreibern der Dating-Plattformen betrieben. Stattdessen bieten die Dating-Portale den Betreibern der Bots eine Provision für jeden Nutzer, der über die Bots zu ihnen geleitet wird.

Jede Nachricht „macht uns ärmer“

Das Problem an diesen Dating-Plattformen ist, dass sie uns Nutzer jede Nachricht, die wir an unsere Verehrer verschicken, teuer berechnen. Einzelne Nachrichten können bis zu einem Euro kosten, ein ganzer Chat schnell einen zwei- bis dreistelligen Betrag. Damit das das nicht auffällt, nutzen die Abzocker fiktive Währungen wie „Coins“ auf ihren Plattformen. Diese können wir auf den entsprechenden Seiten gegen Echtgeld erwerben. Durch diese „Zwischenwährung“ fällt es uns Nutzern schwerer, zu erkennen, wie viel Geld wir gerade für einen Chat ausgegeben haben.

Bist du echt?

Besonders perfide wird diese Abzocke durch den Einsatz von Fake-Profilen. Viele Dating-Profile nutzen zwar keine Bots, aber professionelle Chatschreiber, deren einzige Aufgabe es ist, uns als Nutzer zum Schreiben vieler Nachrichten zu motivieren. Ohne das Wissen von uns Nutzern kann hinter jedem Profil, dass uns schreibt, ein so genannter „Moderator“ sitzen. Die Moderatoren werden dazu angewiesen, immer in ihrer Rolle zu bleiben und das Bild einer echten Person zu vermitteln. Direkten Fragen, ob wir als Nutzer denn gerade mit einer echten Person schreiben würden, sollen die Moderatoren ausweichen. Das öffentlich-rechtliche Format „STRG_F“ hat votr einiger Zeit in einem YouTube-Video gezeigt, wie die Chatschreiber vorgehen. Dabei hat die STRG_F-Reporterin Nadia Kailouli "Undercover als Chatschreiberin" hinter die Kulissen dieser Art von Abzocke geschaut.

Wie können wir verdächtige Profile erkennen?

Im besten Fall erkennen wir schon auf Facebook oder Instagram, dass uns gerade ein Bot versucht reinzulegen. Generell gilt hier, dass Profile, die wenig Beiträge oder Follower haben, gleichzeitig aber mehreren tausend Seiten folgen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Fake sind. Auch sollten Nachrichten und Markierungen fremder Personen immer stutzig machen. Der Blog medienkompass.de hat verschiedene Merkmale zusammengetragen, wie wir Fake-Profil auf Social Media erkennen können.  

Wenn wir uns schon auf der Plattform registriert haben, sollten wir nach Hinweisen auf professionelle Chatschreiber suchen. Die AGB können hier eine gute Anlaufstelle sein. Auch sollten uns Bezahlsysteme für Nachrichten stutzig machen. Wenn wir uns schon im Chat mit Personen befinden, sollten wir besonders hellhörig werden, wenn unser Chatpartner trotz Alternativen wie WhatsApp oder Instagram lieber auf der kostenpflichtigen Plattform bleiben möchte. Die Verbraucherzentrale hat auf ihrer Website typische Formulierungen und andere Hinweise auf Fake-Profile aufgelistet.

Was tun, wenn wir Opfer von Fake-Profilen geworden bin?

Das größte Problem der Opfer von Fake-Profilen ist die Scham, auf ein solches hereingefallen zu sein. Auch fühlen sich viele Nutzer verletzt, da sie teils über Monate mit Fake-Profilen geschrieben und diesen viel Privates anvertraut haben. Die meisten trauen sich deshalb nicht, ihren Schaden zur Anzeige zu bringen. Gleichzeitig lenken aber jede Anzeige und jeder Versuch, sein Geld zurückzubekommen, die nötige Aufmerksamkeit auf das Problem und erschweren so den Betrügern ihre Arbeit. So wurde ein Dating-Portal erst kürzlich gerichtlich dazu gezwungen, klar auf den Einsatz von Moderatoren als Chatpartner hinzuweisen. Basierend auf diesem Urteil müssen andere Dating-Plattformen nun nachziehen. Das Wichtigste ist aber natürlich durch Aufklärung zu helfen, damit nicht auch Andere Opfer von Fake-Profilen werden.

Beschwerdeformular der Verbraucherzentrale


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