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Sven Sandbothe
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Am Unfallort aus der Ferne betreut

Emergency Eye – wenn der Rettungssanitäter immer bei uns ist

Es ist für viele von uns der gelebte Alptraum: Wir kommen an einen Unfallort, ein schwer verletzter Mensch liegt am Boden und braucht schnelle Erste Hilfe – von uns. Jetzt ist dringend gutes Erinnern angesagt, denn der Erste Hilfe-Kurs des Führerscheins ist meist schon ein paar Jährchen her. Stabile Seitenlage geht ja meist noch, aber alles, was darüber hinausgeht, wird schnell zum Problem.

Gerade z.B. bei der Einleitung lebensrettender Wiederbelebungsmaßnahmen zögern wir Deutschen häufig: Nur 37 Prozent fühlen sich dazu in der Lage, 10.000 Menschen könnten so gerettet werden (Zahlen von 2017). Die Zeiten unserer Unsicherheit sind möglicherweise aber schon bald vorbei. Emergency Eye heißt die Lösung – eine Software, die uns auf Wunsch den Notfallsanitäter in solchen Situationen direkt per Smartphone an die Seite stellt. Im Rheinkreis Neuss wurde diese Software getestet – mit Erfolg. Jetzt will auch der Rhein-Sieg-Kreis nachziehen.

Aber wie kommt  das Notfallauge des Profis demnächst vielleicht auf unser Smartphone und hilft uns im Notfall – wir haben nachgeschaut.

Zwei SMS, die Leben retten können

Ein Notfall geht bei der Leitstelle über die 112 ein. Doch der Anrufer weiß weder, wo genau er ist, noch wie er einem Verletzten am Unfallort helfen soll. Für solche Fälle ist Emergency Eye die Lösung. Die Leitstelle schickt dem Anrufer eine SMS mit einem Link. Sobald er diesen anklickt, öffnet sich der Browser auf dem Smartphone und der Anrufer kann bis auf 10 Meter genau lokalisiert werden.

Mittels einer zweiten SMS wird er gefragt, ob er dem Zugriff auf die Kamera zustimmt. Bejaht er auch diese Anfrage, kann sich die Leitstelle über die Smartphone-Kamera ein Bild der Lage machen. Je nach Situation können sie so den Anrufer anleiten, lebensrettende Maßnahmen einzuleiten oder ihn auch einfach nur zu beruhigen.

Demnächst auch mit Licht

Die Macher von Emergency Eye haben auch schon die nächsten Ausbaustufen im Blick. So soll es der Leitstelle zukünftig möglich sein, auch – nach Zustimmung des Anrufers – auf die Freisprecheinrichtung zuzugreifen bzw. auch auf die Taschenlampe, um das Geschehen am Unfallrot bei Bedarf besser auszuleuchten.

Schon jetzt sieht der Kontakt in der Leitstelle, wie es um den Akkuladestand des Anrufer-Smartphones steht. Sollte dieser bedenklich niedrig sein, kann die Leitstelle entscheiden, die Videofunktion zu stoppen, um zumindest per Telefon weiter helfen zu können.

Ohne App und fast ohne Datenvolumen

Foto: Vodafone

Ein großer Vorteil der neuen Lösung – sie kommt ohne eine eigene App aus. Uns wird als Absetzer des Notrufs von der Leitstelle geholfen – falls wir zustimmen. Das ist gut für den Datenschutz, denn unsere Daten laufen nicht über Drittanbieter.

Zudem entstehen uns auch keine Kosten. Vodafone unterstützt Emergency Eye, ermöglicht den kostenlosen Notruf und sorgt auch für eine ausreichend schnelle SMS-Verbindung.

Weiterhin belastet der Anruf auch nicht unser Datenvolumen – laut Vodafone funktioniert Emergency Eye auch bei nahezu komplett aufgebrauchtem Datenvolumen.

Es begann nach einem Unfall

Der Auslöser für die Entwicklung von Emergency Eye war ein Motorrad-Unfall während eines Urlaubs in Frankreich. Weil Günther Huhle aus dem Rhein Kreis Neuss nicht sagen konnte, wo genau der Unfall passiert war, brauchten die Helfer 90 Minuten, bis sie endlich am Einsatzort waren. Der Unfall endete trotz dieser Zeitverzögerung glimpflich, brachte die Familie aber dazu, diese Situation zu überdenken.

So entwickelten sie zusammen mit einer Firma aus Grevenbroich die Software, die sowohl den Ort des Unfalls weitergibt, als auch die Option per Kamera bei der Hilfe zu unterstützen.

Für den Übergang

Emergency Eye wird im Rhein Kreis Neuss fest eingesetzt, mit weiteren Leitstellen sind die Macher im Gespräch (Infos und Kontakt hier). Bis das System möglicherweise flächendeckend nutzbar ist, wird es aber noch einige Zeit dauern.

Bis dahin können wir im Notfall zumindest mit dem Smartphone direkt Hilfe rufen (und unsere genauen Geodaten übermitteln), wenn wir bei Android-Handys dreimal auf den Powerbutton drücken.

Bei iPhones müssen wir fünfmal den Powerbutton anklicken und anschließend den Schieberegler nach rechts bewegen. Eine gute Aufstellung über verschiedene Notfalls-Apps gibt es zudem hier.


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