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Oliver Tölke
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Ein (oft) unbeachtetes Risiko

Cyber-Grooming in Online-Spielen: So könnt ihr eure Kinder schützen

Junge spielt Computerspiel

15. August 2022

  • Die 14-jährige Ayleen wird Ende Juli umgebracht, ihren mutmaßlichen Täter kannte sie über das Online-Spiel Fortnite
  • Cyber-Grooming ist eine der häufigsten Grenzverletzungen, die Kinder und Jugendliche im Internet erleben
  • Offene Kommunikation und Aufklärung sind die besten Möglichkeiten, die eigenen Kinder zu schützen

„Über das gemeinsame Spielerlebnis kann man sehr gut Vertrauen aufbauen. (…) Genau das macht die Spiele auch für Sexualstraftäter interessant.“ (Thomas-Gabriel Rüdiger, Cyberkriminologe)

Der Mordfall Ayleen: Den Täter kannte sie aus dem Internet

Am 21. Juli verschwindet die 14-jährige Ayleen spurlos. Eine Woche lang suchen Einsatzkräfte mit Spürhunden und Hubschraubern nach der Jugendlichen. Am 29. Juli kann nur noch die Leiche des Mädchens durch Ortung des Handys gefunden werden. Kurze Zeit später wird ein 29-jähriger Tatverdächtiger festgenommen. Er und sein Opfer haben sich über das bei Jugendlichen beliebte Online-Spiel „Fortnite“ kennengelernt. Dort hat der mutmaßliche Täter vermutlich über Wochen versucht, sich das Vertrauen der 14-Jährigen zu erschleichen, die Einsatzkräfte werten nun die Daten aus. Es ist davon auszugehen, dass Ayleen Opfer von „Cyber-Grooming“ wurde.

Cyber-Grooming: Was ist das?

Wenn fremde Erwachsene über das Internet versuchen, sich das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen zu erschleichen wird dies als „Cyber-Grooming“ bezeichnet. Dies geschieht in den meisten Fällen mit sexueller Absicht. Die erwachsene Person geht dabei oft nach einem Muster vor, mit dem Ziel, die minderjährige Person zu einem Austausch über sexuelle Inhalte oder zu einem Treffen zu bewegen. Cyber-Grooming ist laut Untersuchungen hinter dem ungefragten Erhalten von sexuell-bezogenem Bildmaterial die häufigste Grenzverletzung, die Kinder und Jugendliche im Internet erleben.

Mehr Hintergründe und Tipps zum Schutz gegen Cybergrooming gibt es in diesem Video der Landesanstalt für Medien NRW:

Unkontrollierte Chats

Videospiele sind heute beliebt wie nie, insbesondere Spiele, die mit mehreren Spielern online gespielt werden. Kommunikation ist dabei wichtig, um sich über Ziele im Spiel zu unterhalten, zu planen, aber auch um Kontakte zu knüpfen, die über die Spielrunde hinausgehen. Das Problem: Im Gegensatz zu den meisten sozialen Medien ist eine Betreuung der jeweiligen Chats durch Moderatoren begrenzt oder sogar gar nicht vorhanden. Das macht Online-Spiele attraktiv für Cyber-Groomer. Und ihnen „nützt“ gleich noch ein anderes Merkmal der Online-Spiele: die größere Anonymität. Denn im Gegensatz zu Facebook und Instagram ist es bei Spielen häufig üblich, kein Profilbild zu nutzen. Die Cyber-Groomer können sich so leichter als Gleichaltrige ausgeben.

Vorsicht bei Unbekannten und persönlichen Themen

Es gibt einige Grundregeln, die wir unseren Kindern beim Online-Spielen mitgeben können. So ist es wichtig, dass sie niemals Leute in ihre Freundesliste aufnehmen sollten, die sie nicht kennen. Bei Chats im Spiel sollten wir sie darauf hinweisen, das sie unbedingt aufpassen sollten, wenn es im Chat nicht mehr um das laufende Spiel, sondern um private Themen geht. Sobald dann Fremde im Internet ein reales Treffen vorschlagen, ist absolute Zurückhaltung angesagt. Die Faustregel ist: Keine Treffen mit Fremden. Weitere wichtige Tipps zur Vorbeugung von Cyber-Grooming und anderen digitalen Gefahren bietet die EU-Initiative Klicksafe.

Kompetente Eltern

Um unsere Kinder bestens zu schützen, hilft es immens, wenn wir Eltern uns mit den Spielen und Spieleplattformen der Kinder auskennen. Wir müssen dafür nicht gleich zu Experten für jedes einzelne Spiel werden. Es reicht, wenn wir wissen, welche Spiele und Plattformen unsere Kinder nutzen und dazu Basiswissen besitzen. Eine gute Möglichkeit die unterschiedlichen Plattformen kennenzulernen und sicherer zu machen, ist der Service „Medien-Kindersicher“ der Landesmedienanstalten. Dort wird Schritt-für-Schritt beschrieben, wie die Sicherheitseinstellungen der gängigsten Plattformen und Spielekonsolen eingestellt werden können.

Die beste Vorsorge

Die wichtigste Empfehlung der Experten ist Offenheit und die Bereitschaft, mit unseren Kindern zu reden. Diese brauchen das Gefühl, dass sie sich mit ihren Problemen und Situationen im Internet immer an uns wenden können, auch wenn diese vielleicht unangenehm sind. Die Experten empfehlen deswegen, sich regelmäßig mit unserem Kind über die Spiele zu unterhalten, sich das ein oder andere Spiel sogar mal vorführen zu lassen oder selbst zu spielen. Denn – so die Erfahrung – wenn wir regelmäßig Computerspiele thematisieren, haben wir zum einen automatisch eine bessere Übersicht, was unser Kind gerade beschäftigt, zum anderen entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis in diesem Bereich. Damit wächst die Chance, dass sich unsere Kinder „melden“, wenn sie unangenehme, ungewöhnliche oder sogar verstörende Erfahrungen machen sollten.

Die EU-Initiative für mehr Sicherheit – klicksafe.de – hat auf ihrer Website eine Liste der möglichen Beratungsstellen für Hilfesuchende aufgelistet.


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Eine Person die eine Computertastertur mit Maus bedient


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