Sören Lippold
Meine Existenz rührt von einem kosmologischen "Vorfall" her, der bestätigten Angaben zufolge über 30 Jahre zurückliegt: Zwei Himmelskörper prallten aufeinander, Donner und Blitze durchzogen den Nachthimmel bis das Geschrei groß war. Das erste Licht der Welt, das mich blendete, entstammte den Neonröhren des Herforder Kreiskrankenhauses. Drinnen war ein Höllenlärm, draußen rieselte leise der Schnee. Sollte das etwa ein Zeichen gewesen sein für einen Menschen, den sein warmes Herz vor der Kälte des Lebens beschützen wird, einen kaltblütigen Mann auf der ewigen Suche nach Wärme oder einfach nur einen ambitionierten Schlittenfahrer. Die Wahrheit liegt, versteht sich, irgendwo zwischen Suppe und Kartoffeln oder wird vielleicht einmal Lebensaufgabe eines Psychiaters sein. Wenigstens die Vorzeichen waren, soweit, halbwegs passabel. Man erzählt sich, ich hätte keinerlei Gewichtsprobleme gehabt und auch sonst auf alle Tests recht ordentlich angesprochen. Herangezogen in der Generation "Schlaghose" und einmal mehr geblendet von orangefarbenen Esszimmer-Stühlen, genoss ich (mehrheitlich) eine Erziehungsmixtur aus ostwestfälischer Beständigkeit, feinsinnig bis herzhaftem Humor und altbewährter Lebensnähe: "Wenn jemand in den Brunnen springt, springst Du dann hinterher???" Ich bin so manches Mal hinterher gesprungen. Pathologisches Resultat: drei "Löcher" im Kopf und andere Kriegswunden, die mir aber nicht mehr zu schaffen machen. Beim Arzt bestehe ich nach wie vor alle Reflexprüfungen. Bleibende Spuren hat dagegen der Sprung ins Radio Herford Fahrwasser hinterlassen. Seit etlichen Tagen und Nächten schwimme ich nun schon auf der Radio Herford-Welle und kann heutzutage meinen Eltern lässig antworten: Was hunderttausende Hörer können, das kann ich schon lange.
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