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Mithörer gestoppt - das Ende des Lauschangriffs

Es war ein sehr intensiver Abend gewesen. Zusammen mit den besten Freunden hatten sie Persönliches besprochen und dabei auch sehr private gesundheitliche und geschäftliche Dinge diskutiert. Was sie nicht wussten, dieses Gespräch wurde von Google-Mitarbeitern mitgehört und aufgeschrieben.

So oder so ähnlich kann es Besitzern des Smartspeakers Google Home in der Vergangenheit gegangen sein. Das Besondere daran: Das Gerät hatte teils private Gespräche aufgenommen, obwohl es gar nicht explizit mit „Hey Google“ oder „Ok Google“ initialisiert worden war.

Und die Besitzer wussten meist nichts von der Transkribier-Arbeit der Google-Mitarbeiter. Rund 1.000 solcher Audio-Aufnahmen aus den Niederlanden sind erst unlängst einem belgischen Radiosender zugespielt worden. Eine ähnliche Protokollier-Praxis war im April auch schon von Amazon bekannt geworden und unlängst auch von Apple.

Dabei wurde ebenfalls öffentlich, dass die Gespräche keinesfalls unbeabsichtigt mitgeschnitten und dokumentiert wurden, sondern absichtlich.

Alles für einen besseren Service

Die Begründungen für diese anonymen Lauschereien klingen bei allen Betreibern ähnlich. So sagte Apple in einer Stellungnahme: „Eine kleine Anzahl an Siri-Anfragen wird analysiert, um Siri und die Diktierfunktion zu verbessern.“ Weniger als ein Prozent der Siri-Anfragen sollen so analysiert werden.

Und bei Google heißt es: „wir arbeiten mit Sprachexperten auf der ganze Welt zusammen, die die Nuancen und Akzente einer Sprache verstehen. Diese Sprachexperten prüfen und transkribieren einen kleinen Teil der Anfragen (an den Google Assistant), um uns zu helfen, diese Sprachen besser zu verstehen. Dies ist ein kritischer Bestandteil der Entwicklung von Sprachtechnologie, und es ist notwendig, um Produkte wie den Google Assistant zu erschaffen.“

0,2 Prozent aller Audioaufnahmen sollen laut Google von Mitarbeitern ausgewertet werden. Doch diese Auswertungsarbeit ist vorerst beendet.

Aufnahmestopp bei Apple und Google

Google hat nach eigenen Angaben die Auswertungspraxis der Aufnahmen seines Smartspeakers durch Sprachexperten seit dem 10. Juli gestoppt. Der Stopp gilt für die gesamte EU. Anlass war wohl die Einleitung eines Verwaltungsverfahrens gegen Google.

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hatte es initiiert. In einer Pressemitteilung schrieb er: „Die Nutzung von automatischen Sprachassistenten von Anbietern wie Google, Apple und Amazon erweist sich als hoch risikoreich für die Privat- und Intimsphäre von Betroffenen.“ Ihm ging es deswegen „um eine transparente Aufklärung Betroffener über die Verarbeitung der Sprachbefehle, aber auch über die Häufigkeit und die Risiken von Fehlaktivierungen.“

Der Google-Aufnahmestopp gilt noch bis Mitte Oktober. Der amerikanische Konzern ist nach eigenen Angaben mit den Hamburgischen Datenschützern in Kontakt, um zukünftig z.B. besser zu erklären, warum diese Daten wichtig seien. Auch Apple hat inzwischen seine Auswertungs-Praxis von Siri-Aufnahmen gestoppt, der Stopp gilt hier sogar weltweit.

Nach einem zukünftigen Sicherheitsupdate sollen wir Nutzer demnächst ausdrücklich um Erlaubnis gefragt werden, ob Apple-Mitarbeiter unsere Gespräche aufzeichnen und analysieren dürfen.

Amazon-Mithören ausschalten

Auch Amazon hat auf die Vorwürfe reagiert. Der Konzern bietet seit dem Wochenende direkt in der App eine Option an, wie wir Nutzer ausschließen können, von Amazon Mitarbeitern aufgenommen und analysiert zu werden.

Dafür müssen wir in Einstellungen gehen, dort Alexa-Datenschutz anklicken und dann auf „Legen Sie fest, wie Ihre Daten Alexa verbessern sollen“. Es öffnet sich eine Menü-Seite, auf der es explizit heißt: „Sprachaufnahmen verwenden, um Services von Amazon zu verbessern und zur der Entwicklung neuer Funktionen beizutragen“.

Wenn wir hier weiter runterscrollen, haben wir zwei Möglichkeiten, die wir per Schieberegler steuern können – zum einen wird uns „angeboten“, „Bei der Verbesserung von Amazon Services und beim Entwickeln neuer Funktionen mithelfen“  und zum anderen heißt es „Amazon die Berechtigung erteilen, von Ihnen über Alexa gesendete Nachrichten zu verwenden, um die Genauigkeit der Transkripte zu verbessern“. Einfach beides ausschalten und hoffen, dass es stimmt.

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Eine Person die eine Computertastertur mit Maus bedient

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